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S.d.Ch, Einzelgängertum und Randkultur  (Die Generation der 1970 Geborenen)
Zeitschrift Umělec
Jahrgang 2008, 2
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S.d.Ch, Einzelgängertum und Randkultur (Die Generation der 1970 Geborenen)

Zeitschrift Umělec 2008/2

01.02.2008

Josef Jindrák | offside - vielseitig | en cs de es

Wer ist S.d.Ch? Eine Person mit vielen Interessen, aktiv in diversen Gebieten: In der Literatur, auf der Bühne, in der Musik und mit seinen Comics und Kollagen auch in der bildenden Kunst. In erster Linie aber Dichter und Dramatiker. Sein Charakter und seine Entschlossenheit machen ihn zum Einzelgänger. Sein Werk überschneidet sich nicht mit aktuellen Trends. Immer stellt er seine persönliche Aussage in den Vordergrund, die aber auch eine sehr komplizierte innere Struktur haben kann. Angenehm zu wissen, dass er ein normaler Mensch und vortrefflicher Gesellschafter ist. Sein Humor und seine Verbalkunst wären mit Sicherheit ein eigenes Kapitel wert. Wie viele andere auch hat er eine Familie, geht zur Arbeit* und löst alltägliche Lebenssituationen. Ich sehe das nur von seinem Standpunkt aus, schwer zu sagen, was seine Frau dazu meinen würde. In Zukunft wäre es nicht schlecht, Gespräche mit den Ehefrauen der Künstler zu führen.
Auch wenn es wahrscheinlich nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, eine große Rolle spielte für S.d.Ch die Kindheit im Prager Plattenbauviertel Jižní Město (Südstadt), wo er die Grundschule besuchte. Jižní Město war in dieser Zeit eine klassische sozialistische Riesenbaustelle, ohne Gehsteige, Läden, voller unvollendeter Kanalisationsbauten und Schutthaufen – ein Paradies für Kinder, eine Hölle für die Eltern. Schon damals lernte er viele Leute kennen, denen er erst viel später wieder begegnen würde.
Gegen Ende seiner Grundschulzeit versuchte er sich an seinem ersten romantischen Gedicht. Mit einer unbekümmerten und eigentlich gleichgültigen Einstellung begann er die mittlere Berufsschule mit Matura-abschluss. Dann geriet er unter den grundlegenden Einfluss der Schriftsteller Ladislav Klíma, Otokar Březina, Jakub Deml und etwas später auch von Josef Váchal und Pierre de Lasenic.
In der Mitte der Achtzigerjahre formierte sich die «Barrandovská Čtyřka» (Die Vier aus Barrandov, B4). Wilde Kneipentouren, für die man wenn möglich in die Umgebung der Burg Zvikov reiste, waren vor allem Lebenskunst, und das eigentliche Werk blieb liegen. Außer SdCh wirkten in der B4 auch die Maskenbildner-Lehrlinge Jakub Žid, Stylus und Ondra Tejml. Zu den späteren, regelmäßig am Mittwoch stattfindenden Literaturzirkeln im Bahnhofsrestaurant Praha Braník, wo nur von den Autoren selbst verfasste Texte geduldet wurden, gesellten sich auch Petr Coufal, Jana Rokosová (heute Židova), David Vokurka, Jana Viktorinová, der Fotograf Petr Šafránek und andere.
Kurz nach dem Revolutions-November 1989 initiierte SdCh’s Schulfreund aus der Grundschule mit seinem Libretto, das später der ganzen Gruppierung den Namen gab, die Entstehung des „Neslyšeli Zarathustru Orkestr“ (Orchester Sie-hörten-Zarathustra-nicht). Diesem trat die Mehrheit der «Barrandovská Čtyřka» bei. Die Treffen fanden nur in Wochenendhäusern und Gärten statt, niemandem fiel es ein, echten Klubs Auftritte anzubieten oder Aufnahmen herauszugeben. Nach mehreren Entwicklungsetappen löste sich die Gruppierung allmählich auf. Die Mitglieder fingen an, sich ausschließlich ihren eigenen Aktivitäten und Leben zu widmen. S.d.Ch begann, Poesie zu schreiben und herauszugeben.
Im Jahr 1997 formierte sich die primitivistische Band „Ginnungagap“. Die Gründer waren Jakub Žid, Petr Coufal und Josef Jindrák, den Petr Coufal damals bei einer Wohnungsvermietung kennenlernte. Des Weiteren spielten Jana Rokosová und als Stammgast Roman Plischke, ein Bandmitglied von Josef Jindrák aus der Bigbeatgruppe J.K.H.CH.
Die Existenz von „Ginnungagap“, in die S.d.Ch erstaunlicherweise nicht einbezogen wurde, provozierte die Entstehung der Gruppe „Periferie 42“. SdCh komponierte dort, schrieb und spielte auf der E-Gitarre. Martin Vocel war am Schlagzeug und der neu hinzugekommene Pepa Kytka am Bass. Das Ensemble wurde später komplett mit David Vokurka, der weder Geige noch Trompete spielte, und der Flöte von Jana Viktorinová, die aucheinige einzigartige Holzschnitte geschaffen hatte.
„Periferie 42“ trat in jener Zeit auf, als S.d.Ch begann, das Familienfestival „Kadeřábek“ mitzuveranstalten. Seine Besucher gründeten später Bands, um auch an einem weiteren „Kadeřábek“ spielen zu können – so zum Beispiel die Gruppe „Skrytý půvab byrokracie“ (Der diskrete Charme der Bürokratie) und „Typ Skršín“. Gerade beim „Kadeřábek“ wurden zum ersten Mal die Theaterstücke von S.d.Ch aufgeführt und David Vokurka stellte seine Bilder aus. Eine Premiere hatte auch das Theaterensemble „Mimo“ (Abseits), das Václav Havels „Audienz“ präsentierte, worin Pavel Hubený von J.K.H.CH. die Rolle des Braumeisters nicht – wie sonst im Theater üblich – mit alkoholfreiem Bier meisterte.
Beim „Kadeřábek“ fand auch eine Samizdat-Ausstellung statt – und viele Jahre später begannen S.d.Ch, Jana Viktorinová und Luboš Pavel in ihrem geschlossenen Kreis Bücher auf eigene Faust herauszugeben. Die Illustrationen stammten von P. Formš, Jana Viktorinová und David Vokurka. Neben der künstlerisch hochstehenden Bibliophilie von P. Formš, trat aus diesen editorischen Anfängen die Produktion von „Creatury culiny slach“ hervor, des Verlagszeichen von S.d.Ch.
Um die Jahrtausendwende perfektionierte S.d.Ch sein dramatisches Werk radikal. Ein wirklich meisterhafter dadaistischer Spitzbubenstreich ist die „Česká trilogie“ (Tschechische Trilogie) für Marionettentheater. Im Verlauf von drei Jahren hat er jährlich ein Stück verfasst, ausgestattet und inszeniert. Ich bin wirklich gespannt, was die Theaterkritiker dazu sagen werden, sollten sie mal darauf aufmerksam werden. Marionetten wurden für S.d.Ch zum idealen Medium. Er schreibt seine Stücke direkt für Marionetten-Inszenierungen, bei denen er sein schauspielerisches Talent einsetzt, das bereits beim letzten „Kadeřábek“ hervortrat als, er mit „Varlens halbautomatischer Marionettenkiste“ auftrat. Durch das Theater kam S.d.Ch in den Kreis um Karel Skalický und SPOŘ A OKO (Gesellschaft für die Erneuerung von Řepice und Umgebung).
Die Band „Skrytý půvab byrokracie“ engagierte ihn für das Bühnenbild im Programm „Opouštění fetiše“ (Loskommen vom Fetisch) am Festival „Alternativa 2006“. Mit „Skrytý půvab byrokracie“, die er sehr gerne mag, inszenierte S.d.Ch zwei Jahre eher als geplant sein frühes Mysterium „Návrat“ (Die Rückkehr).
Heute ist auf der Basis der aufgelösten „Periferie 42“ schon eine neue Gruppierung entstanden: „Ruce naší Dory“ (Die Hände unserer Dora). Lieder schreibt dafür ausschließlich S.d.Ch. Sukzessiv gaben sie auf eigene Kosten zwei Alben heraus. Das zweite Album stieß auf wenig, dafür positive Kritik.







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